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Freitag, 30. Juli 2010, 16:06 Uhr
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Veranstaltungsbericht Syndikus-Summit 2008: Verändertes Tätigkeitsfeldvon Unternehmensjuristen

In Zeiten zunehmender Internationalisierung und dem Zusammenwachsen Europas wird die Tätigkeit vieler Unternehmensjuristen strukturell verändert und erschwert. Neben den klassischen juristischen Problemstellungen gewinnen auch Fragen der Kosten, Organisation und Struktur eine zunehmend größere Bedeutung in Rechtsabteilungen. Die heutigen Syndikusanwälte müssen in der Lage sein, sich diesen Entwicklungen anzupassen. Dies wurde deutlich beim Syndikus-Summit 2008, den der „Betriebs-Berater“ am 19.6.2008 veranstaltet hat.

Wie schon bei der Premiere im letzten Jahr hatte auch die diesjährige Veranstaltung den Anspruch, die fast 100 Teilnehmer in kurzen und informativen Beiträgen möglichst umfassend und detailliert an einem Tag zu informieren. „Unser Konzept ist es, einen Überblick über die Trends der wichtigsten Themen, die Syndikusanwälte berühren, zu verschaffen“, begrüßte Udo Reuß, Chefredakteur des „Betriebs-Berater“, die Teilnehmer des zweiten Syndikus-Summit in der Villa Kennedy in Frankfurt.
 
Welche Rechte stehen Syndikusanwälten zu, wenn Firmenakten plötzlich beschlagnahmt werden? Mit dieser und anderen Fragestellungen hinsichtlich der rechtlichen Gleichstellung von Syndikusanwälten mit Rechtsanwälten beschäftigte sich der Auftaktredner, Paul C. de Jonge (Geschäftsführer und General Counsel der Legal Benchmarket International B.V., President der European Lawyers Association) in seinem Vortrag.

Trotz des Rückschlags im Akzo-Urteil, dass gegen eine Gleichstellung entschieden hat, würde man weiter für diese Gleichstellung kämpfen. In den Niederlanden genießen Syndikusanwälte bereits das Anwaltsprivileg. „Letztlich wird man zur Durchsetzung des Anwaltsprivilegs für Inhouse-Juristen wohl nach Straßburg vors Gericht gehen“, kündigte de Jonge an. So bleibt auch künftig abzuwarten, ob Unternehmensjuristen in der Zukunft ihren Rechtsanwaltskollegen gleichgestellt und in den Genuss des Berufsgeheimnisschutzes kommen werden.

Die Thematik des veränderten Berufsbilds der Unternehmensjuristen mit Fokus auf die zunehmende Internationalisierung wurde von Dr. Alexander Oehmichen, Vorstand Recht bei der Stada Arzneimittel AG, angegangen. Er legte dar, dass das veränderte Tätigkeitsfeld gerade auch interkulturelle Kompetenzen erfordere. So müsse ein General Counsel nicht nur als Berater, sondern auch gleichermaßen als Moderator und Kommunikator in einer internationalen Organisation agieren.

Wie man den Karrieresprung von der Rechtsabteilung ins Management schaffen kann, erklärte Dr. Heiko Beck. Als Vorstandsmitglied der Commerz Real AG hat er dies selbst gemeistert und konnte aus seiner eigenen Praxis berichten und Tipps geben. Er erzählte aus seinem Erfahrungsschatz und beschrieb die Entwicklungsmöglichkeiten von Unternehmensjuristen. Obwohl die Zahl der Juristen in Vorständen im Vergleich zu den letzten zehn Jahren gesunken sei, prophezeite Beck, dass diese in Zukunft wieder steigen würden.

Unternehmen müssten sich auf immer komplexere und spezieller werdende Wirtschaftstätigkeiten einstellen, so dass für die Lösung komplizierter und themenübergreifender Sachverhalte gerade die Fähigkeiten des als Generalisten tätigen Rechtsanwalts wieder relevant würden.

Wer einen Sprung ins Management ins Auge gefasst hat, sollte Beck zufolge Themenschwerpunkte besetzen und vor allem betriebswirtschaftliches Grundwissen aufbauen. „Hier bestehen neue Chancen für Juristen“, teilte er den Zuhörern mit.
 
Was für Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten Hausjuristen haben und wie viel sie im Marktvergleich verdienen, war der zentrale Untersuchungsgegenstand der Unternehmensberatung Towers Perrin. In einer Vergütungsstudie stellten sie die unterschiedlichen Gehälter der Syndici in verschiedenen Branchen dar. Dabei stellte sich heraus, dass es zwischen verschiedenen Branchen eklatante Gehaltsunterschiede gibt. Die Gehaltsexpertin Anna Wiestler erklärte, dass der Analyse von Towers Perrin zufolge zum Beispiel Senior Experts im Bankenbereich beinahe das Doppelte im Vergleich zu ihren Kollegen aus der Telekommunikationsbranche verdienten.

Das Sammel- und Gruppenklagen zur zentralen Herausforderung für Unternehmensjuristen werden könnten, legte Berthold Welling vom Bundesverband der Deutschen Industrie dar. Aktuell wird in Brüssel über Fragen der Sammelklage von Verbrauchern diskutiert. Insbesondere im Kartellrecht stelle sich die Frage, ob neben der Rechtsverfolgung durch Kartellbehörden auch private Klagen zulässig sein sollen. So bleibt abzuwarten wie die EU-Kommission Ende des Jahres hinsichtlich Kollektivklagen entscheiden wird.

Eine weitere globale Herausforderung bei wachsender Bedeutung von Marken ist die Produktpiraterie. „Schätzungen zufolge liegt sie zwischen sieben und zehn Prozent des Welthandels“, teilte Reiner Hansert, Director Intellectual Property bei der Beiersdorf AG mit. Er erklärte, dass es das Kernziel sei, Produktionsstätten ausfindig zu machen und Razzien durchzuführen, um dem zu begegnen. Anschließend nahm das Thema M&A breiten Raum ein. Präsentiert wurde dieses von den beiden mitveranstaltenden Kanzleien Allen & Overy und Latham & Watkins. „Durch die plötzliche Verknappung verfügbarer Kredite kam es zum „Credit Crunch“, erklärte Dr. Hartmut Krause, Partner bei Allen & Overy LLP. Die Finanzkrise hat auch den Anwaltsmarkt hart getroffen. Dadurch sank laut „Thomson Financial“ das Volumen im deutschen M&A-Markt von ehemals 140,2 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf geschätzte 6,3 Milliarden im Jahr 2008. Die beiden Partner bei Allen & Overy LLP, Dr. Hartmut Krause und Dr. Mark Hoenike, erläuterten die veränderten Rahmenbedingungen bei M&A-Transaktionen und ihre Auswirkungen auf die Vertragspraxis. Trotz der wenig liquiden Kreditmärkte gäbe es wieder neu aufgelegte Private-Equity-Fonds mit Rekordvolumen. Das Thema M&A wurde anschließend durch drei weitere Vorträge von Latham & Watkins-Partnern vertieft und auf den Cross Border Bereich ausgeweitet. Dr. Marcus Herrmann, Dr. Dirk Oberbracht und John D. Watson jr. gaben Einblicke in Besonderheiten beim Erwerb von Unternehmen in den USA und verglichen zwei Möglichkeiten börsendotierte Unternehmen zu übernehmen. Weiterhin analysierten sie im Bereich des Private-M&A die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland, wobei auch der wichtige Aspekt des Umgangs mit Haftungsrisiken nicht zu kurz kam.
 
Mit den Worten „None Compliance wird für die Unternehmen immer mehr zum Risiko“, eröffnete Dr. Michael Fontaine, Head of Legal bei der MAN AG, seinen Vortrag. Er referierte über die Wichtigkeit der Selbstverpflichtung eines Unternehmens und beschrieb die Grundpfeiler einer effektiven Compliance Organisation und ihre Bedeutung für den General Counsel.

Compliance aus Sicht eines Mittelständlers präsentierte Gerhard Großmann, Justiziar des Autozulieferers Bader GmbH & Co. KG, anhand einiger Praxisbeispiele. Beim schwäbischen Automobilzulieferer, der weltweite Poduktionsstätten besitzt, wurde u. a. ein Lebensarbeitszeitkonto eingeführt. Eine weitere Herausforderung ist die Einhaltung von Zollvorschriften.

Praxisbeispiele aus der Konzernwelt und eines Finanzinstituts wie der Dresdner Bank stellte schlussendlich Martin Vogt dar.

Neu gewonnene Erkenntnisse und der intensive Gedankenaustausch machten den zweiten Syndikus Summit zu einem gelungenen Ereignis. Die Teilnehmer profitierten vor allem von den praxisrelevanten Tipps und Anregungen der Experten, die für den Arbeitsalltag eines Unternehmensjuristen so wichtig sind. Zur positiven Stimmung trugen neben den fachlich wertvollen Vorträgen die zahlreichen neu geknüpften Kontakte der Teilnehmer bei, so dass auch in diesem Jahr der Aspekt des „Networkings“ nicht zu kurz kam.
Autorin: Pinar Karacinar, freie Journalistin in Schwetzingen